Hi zusammen,
ich bin ebenfalls bei der Barmer und man hat die Kostenübernahme abgelehnt. Auch den Widerspruch hat man abgelehnt. Der Antrag wurde von der Uniklinik Bonn erstellt und war sehr ausführlich. Ich leide seit Jahren an AU und andere Therapien waren nicht erfolgreich. Mein Widerspruch war ebenfalls sehr ausführlich und individuell argumentiert. Hat alles nichts gebracht. Nur geht es zum Widerspruchsausschuss aber ich habe nur wenig Hoffnung, dass das etwas bringt. Nächster Schritt KK wechseln oder vor das Sozialgericht.
Die KK berufen sich auf den G-BA. Dort wird das Medikament Olumiant bei der Diagnose Alopecia Areata in der Arzneimittelrichtlinie Anlage II: Lifestyle-Arzneimittel geführt. Es ist ein absoluter Skandal. Der G-BA beruft sich auf §34 Abs. 1 Satz 7 SGB V und verweist darauf, dass es sich um ein Mittel zum Haarwachstum handelt, für welches die KK nicht aufkommen müssen/sollen. Ich habe beim G-BA nachgefragt, ob sie denken dass der Begriff "Lifestyle-Erkrankung" eine angemessene Wortwahl für eine Immunerkrankung mit psychisch und physisch gravierenden Folgen ist und ob sie die neuen Erkenntnisse aus den Studien, welche zur Zulassung durch die EMA geführt haben, entsprechend in ihrer Bewertung gewürdigt haben. Bisher keine Antwort.
Die wenigsten Ärzte verschreiben aktuell das Medikament weil ein sehr hohes Risiko besteht, dass sie in Regress genommen werden und die Kosten selbst tragen müssen. Das hat nichts mit mangelndem Willen zu tun. Einen Arzt zu finden der einem das Medikament verschreibt oder eine KK zu finden die den Antrag genehmigt ist wohl mehr oder weniger Glückssache.
In der Facebook Gruppe JAK Inhibitors for Alopecia finden sich viele nützliche Informationen. Viele Menschen, insbesondere aus den USA oder UK, die keinen Zugang zu dem Arzneimittel über ihr Gesundheitssystem haben (KK zahlt nicht/Medikament nicht zugelassen), bestellen Generika in Indien oder Bangladesch. Die Kosten sind gering (ca. 30-100 Euro/Monat), da es sich um ein Small Moleküle (kein Biological wie hier jemand geschrieben hat) handelt und diese in der Herstellung günstig sind. Problem ist: man darf keine Arzneimittel nach Deutschland importieren. Die Sendung wird im Zoll abgefangen und schlimmstenfalls hat man eine Strafanzeige am Hals. Ihr müsst also entweder nach Indien oder Bangladesch reisen und das Medikament als Eigenbedarf einführen (max. 3 Monate Vorrat) oder es zu einem Kontakt in ein anderes Land (z.B. UK) bestellen, wo die Sendung nicht vom Zoll abgefangen wird. Dann könnt Ihr nach UK reisen und das Medikament dort bei eurem Kontakt abholen und nach DE einführen (selbe Regel: max. 3 Monate Vorrat).
Der Alopecia Areata Deutschland e.V. ist absolut nutzlos und macht sich nichtmal die Mühe die Studienergebnisse, welche zur Zulassung geführt haben!!, zu veröffentlichen. Obwohl es sich um einen medizinischen Meilenstein handelt, geht man auf das Thema JAK-Inhibitoren kaum ein. Die Argumentationen, welche es zu dem Thema auf der Website des Vereins gibt (und das sind sehr wenige), sind veraltet oder nicht wissenschaftlich fundiert - reinste Polemik.
Die Situation ist zum Verzweifeln. Ohne mehr öffentliche Aufmerksamkeit wird sich wahrscheinlich so schnell nichts ändern. Gerne kann man sich mal austauschen, um über abgestimmte rechtliche Schritte zu beraten. Es gibt ja auch Anlaufstellen wie den VDK, an die man sich gemeinsam wenden könnte.
VG,
Marvin
Weil viele Fragen im Forum sich auf die Sicherheit und Effektivität beziehen, anbei der Link zu den detaillierten Studienergebnissen. Lasst Euch bitte nichts erzählen, sondern lest die Studie selbst:
ema.europa.eu/en/documents/assessment-report/olumiant-epar-p ublic-assessment-report_en.pdf