Hi Angela,
"ein paar Tage" war blöd ausgedrückt. So ne Antibitikumspackung ist immer ein Zyklus. Man nimmt die Schachtel, die der Arzt verschreibt, bis zum Ende. Aber bevor jetzt die Leute reihenweise sich das Zeug einpfeifen, möcht ich nochmal ein paar Dinge zusammenfassen, indem ich Menschen zitiere, die hier im Forum relativ offen mit aa umgehen (ich hoffe ihr seid mir nicht böse):
Gindora leidet unter der Trennung ihrer Eltern, Esperanza hat ihre Tochter verloren, Angela's Mann war an Krebs erkrankt (die Angst läuft bestimmt weiter mit) und ich hab ne Trennung hinter mir, der ich nicht entkomme. Das sind alles ganz massive psychische Dauerbelastungen, denen wir nicht ausweichen können, die da sind und an denen wir sicher nicht Schuld sind. Wir können nur Wege finden, damit umzugehen. Alles Themen rund um Trennung, Verlust, Angst vor Verlust. Andere bedrückt vielleicht ein Baukredit, dem Geschäft droht die Insolvenz oder Ähnliches. Dazu kommt dann noch die AA, die das ganze verstärkt, und unter der jeder hier leidet. Das haut ganz sicher auf den Körper, dadurch bedingt oder zusätzlich kommen dann (zum Teil) noch schlechte Ernährung (eine Belastung für den Körper), zu wenig Bewegung (Belastung), hoher Blutdruck (Belastung) und/oder körperliche Fehlfunktionen und/oder Viren etc.
Ich will nicht sagen, dass es bei jedem so ist, aber bestimmt bei vielen. Und wenn man jetzt bereit ist, kleine Verbesserungen der Lebensqualität vorzunehmen, kann man glaub ich weit kommen. Das heißt nicht, dass man alles ändern und sich neu erfinden muss, im Gegenteil. Wenn ich von heute auf morgen vom Maßlosen zum Ernährungsnazi werde, ersetz ich nur eine Belastung durch ne andere. Aber z.B. zusätzlich Salat essen, sich Walnüsse und Trockenobst zum Naschen hinstellen, ein bißchen weniger Fleisch etc. Alles in Maßen. Und statt ner Stunde hier im Forum rumzustochern, lieber ne Stunde schwimmen, Sauna oder ne Entspannungsübung .
Und ganz ehrlich, mit professioneller Unterstützung geht's einfacher, druckloser und planvoller. Einfach jemanden, der einen coacht, der sieht, hier machst Du zuviel, da zu wenig, hast Du daran mal gedacht, du wolltest doch mal. Sowas nennt sich dann Verhaltenstherapie und ist völlig kostenlos. Jemand, der einen motiviert, und aufbaut, wenn man gerade mal wieder von ner Heilungshoffnung enttäuscht ist, sowas wie ein ausgelagertes Langzeitgedächtnis. Ich will hier niemandem eine Psychose andichten. Im Gegenteil, ich möchte zu einem angst- und schuldfreien Umgang mit der Krankheit animieren. Wer ne Therapie in Anspruch nimmt ist nicht gestört, sondern aufgeklärt. Und sei es nur, um ein Konzept zu erarbeiten, wie man mit der Krankheit umgeht, sollte sie nicht mehr zu heilen sein. Und nichts von alledem ist umsonst, wenn man es ruhig und konsequent umsetzt. Das erspart die Enttäuschung, wenn eine Maßnahme allein nicht gleich zum Erfolg führt, sondern der Level steigt kontinuierlich. Und ich glaube, erst wenn man sich körperlich und seelisch soweit stabilisiert hat, kann einem dann so ne Chemokeuel auch helfen, ein Reset bewirken. Manche sind vielleicht auch cool genug, einfach nen Gang zurückzuschalten, und es springt dann von alleine wieder zurück, das ist sicher auch ne Typfrage. Ich bin's nicht.
So, dass war jetzt nochmal komprimiert, was ich eh dauernd schreibe. Ich werd in ein paar Wochen nen längeren Trip antreten und mich deshalb auch etwas aus dem Forum zurückziehen (das ist auch wieder ein bißchen Sucht und Ersatzschauplatz). Ich bin sehr guter Dinge, dass ich wenigstens mit grauem Haar zurückkomme, werde Euch berichten.
Einstweilen wünsch ich Euch allen wirklich friedliche Weihnachten und viel Kraft für's neue Jahr, auf dass sich das Schreckgespenst in Luft auflöse!
LG
Werner