Die oben bezeichnete Dummheit bezieht sich auf die größtenteils unsystematische Vorgehensweise. Da werden Sachen geschluckt oder aufgetragen in Größenordnungen ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen etc. pp. Ist doch hier Gang und Gäbe.
Ich meine Dummheit nicht im negativen Sinne, sondern könnte auch Unerfahrenheit schreiben. Dummheit trifft es jedoch besser, weil es Dinge gibt, die man schon wissen sollte, bevor man etwas gegen Haarausfall unternimmt und nicht beginnt, wild mit Tabletten und sonstigem Zeug zu hantieren. Wenn ich hier schon lese, daß jemand noch stolz darauf war, daß er heimlich an L-Thyroxin kam und damit seine Schilddrüse ruinierte, nur weil er hier mal was von Schilddrüse und L-Thyroxin gelesen hat, wird einem einfach schlecht. Über Dinge wie Regaine oder Finasterid lasse ich mich hier nicht mehr aus.
Was die Kritik an Erfolgsberichten betrifft, ist sie teilweise berechtigt, aber daß derjenige dann gleich zerissen wird, muß nicht sein. Die Problematik der Erfolgsberichte ist hier häufig die, daß etliche dan gleich darauf anspringen, nur weil eine mal damit Erfolg hatte. Man sollte diese Berichte schon aus einer emotionalen Distanz heraus lesen. Was dem einen hilft, muß anderen längst noch nicht helfen. Im Falle von Mupfel lag möglicherweise eine Quecksilbervergiftung vor. Amalgam an sich, fachgerecht eingesetzt, ist nicht das Problem an sich. Es kann unter ungünstigen Umständen ein Problem werden. Gleiches gilt für andere mögliche Ursachen. Nicht jeder mit SD-Problemen hat gleich Haarausfall. Ebenso kann ein SD-Problem auch von ganz woanders herkommen. Oder wenn hier jemand nach einer Geburt Haarausfall bekommt und daraus ein Problem macht, zeugt das schon von erheblicher Unwissenheit. Die meisten Schwangeren wissen das einfach, daß irgendwann nach der Niederkunft für ein paar Monate der Haarausfall kommt. Da wirft man sich nicht aus Verzweiflung alle möglichen Pillen ein, um den Körper die Hormonumstellung noch mehr zu erschweren. Eine Schwangerschaft an sich bedeutet schon eine signifikante und lebenslängliche Hormonumstellung. Das ist im übrigen auch der Grund, warum Frauen, die Kinder geboren haben, in der Regel kaum Probleme mit der Hormonumstellung in den Wechseljahren haben.
Das gehört nunmal zum Basiswissen. Ich frage mich da immer, was einem heutzutage im Sexualkundeunterricht oder von mir aus in Vorbereitungskursen für Schwangere alles beigebracht wird, von der konkreten Wirkungsweise der Pille ganz zu schweigen. Manche wissen nicht einmal, daß die Wirkung der Pille durch andere Medikamente ausgehebelt werden kann geschweige daß sie wissen, welche das sind. Das sind halt alles so Dinge, die man wissen sollte.
Wichtig ist einfach die Systematik der Vorgehensweise, bei der zuerst eine Anamnese ansteht. Manchmal reicht schon die Überprüfung der Lebensumstände und selbst die hier weniger diskutierte Streßproblematik wird oft unterschätzt.
Ich kenne das Forum schon seit gut fünf Jahren. Wenn ich daran denke, wie die sich gegenseitig über die täglich ausfallenden Haare austauschten und wehe, einer fielen plötzlich 100 Haare weniger als der anderen aus, war schon der Teufel los.
Ich kann akut Betroffenen nur raten, sich erst einmal gründlich zu informieren. Haarausfall ist kein Krebs oder Todesurteil. Daß Ärzte sich nicht sonderlich mit dem Symptom Haarausfall beschäftigen, sollte mittlerweile verständlich sein. Die Haarsprechstunden sind ohnehin Quatsch, da hier in der Regel Assistenzärzte oder Ärzte im Praktikum tätig sind, die woanders noch nicht eingesetzt werden können. Denen macht das auch keinen Spaß und dementsprechend werden die Patienten abserviert. Das für Haarausfall der Hautarzt zuständig ist, ist einfach eine Art Betriebsunfall oder einfach ein Zuordnungsproblem. Die meisten Hautärzte kennen sich mit Haarausfall und deren Ursachen nicht aus, auch wenn man das eigentlich schon erwarten sollte. Umso wichtiger ist, daß man sich eben selbst schlau macht.
Die sagen AGA, drücken Regaine oder irgendeine androgene Pille in die Hand. Von Diagnostik keine Spur. So dumm kann man nicht sein, um zu glauben, daß ohne Diagnose (Haarausfall ist keine Diagnose, sondern ein Symptom) damit das ursächliche Problem gelöst ist. So ist es kein Wunder, daß das nicht hilft.