Checkliste Androgenetische Alopezie

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Diese Checkliste hat zum Zweck, übersichtsmässig das Zustandsbild und die derzeitige Behandlung  der androgenetischen Alopezie (AGA) darzustellen. Sie entspricht einem Konsensus der Schweizerischen Arbeitsgruppe für Trichologie (vom 13. Januar 1999). Mitglieder der Arbeitsgruppe waren Anita M. Bon, Stefano Gilardi, Peter H. Itin, Ralph M. Trüeb, Pierre A. de Viragh, Myriam Wyss

Sie wird hier in leicht modifizierter Form (insbesondere durch Erklärung der Fachbegriffe ergänzt) für den Bereich der Diagnose vorgestellt.

 

1. Klinische Merkmale

1.1. Anamnese.

Familiäre Belastung, frühere Haarausfälle, Beginn und Ausprägung des aktuellen Haarausfalls, Begleitsymptome (Pruritus [=Juckreiz], Trichodynie [= Schmerzen auf der Kopfhaut und in den Haarwurzeln] ).

 

1.1.1. Allgemeiner Gesundheitszustand:

 

  • Vorausgehende akute Krankheitsereignisse (febrile [= fieberhafte] Erkankungen,
    Operationen),
  • Schilddrüsenerkrankungen,
  • Eisenmangel,
  • chronische Allgemeinerkrankungen (chronische Infektionskrankheiten, chronische
    rheumatische Krankheiten, Malignome).

 

Medikamentenanamnese: allgemein, Vitamine (Vitamin A), Anabolika.

Ernährungsanamnese (Crash-Diät, extreme Vegetarier).

Haarkosmetische Anamnese: Traktion. Chemische Prozeduren: Farbe (Kolorierung, Blondierung), Form (Dauerwelle, Streckung).

1.1.2. Bei Frauen:

  • Menstruationsanamnese
  • Schwangerschaften
  • Postpartum.
  • Hormonpräparate: Ovulationshemmer, hormonelle Substitution.
  • Androgenisierungserscheinungen: Hirsutismus, Virilisierung [= Ausbildung männlicher sekundärer Geschlechtsmerkmale bei Frauen], schwere zystische Akne
  • Infertilität [= Unfruchtbarkeit].
  • Galaktorrhö [= Bezeichnung für das Austreten von klarer oder bernsteinfarbener Milch aus den Brustdrüsen].

1.2. Physikalische Untersuchung.

Allgemeine klinische Untersuchung.

1.2.1. Alopeziemuster:

  • Männliches Muster (--> Männer / Stadien: Hamilton, Norwood),
  • weibliches Muster (-->Frauen: Ludwig),
  • gemischtes Muster.

1.2.2. Ausprägung der Alopezie:

  • Männer: Hamilton/-Norwood-Skala (I–VII),
  • Frauen: Ludwig-Skala (I–III),
  • Savin-Skala (F1–6, M1–5, V1–7, D1–8).
  • Miniaturisierte Haare.
  • Erworbene Haarkräuselung (Männer): Diffus, Allotrichia circumscripta symmetrica («whisker hair»).

1.2.3. Haarqualität:

  • Aussehen (Glanz, Geschmeidigkeit, Kämmbarkeit),
  • Fragilität (Trichorrhexis nodosa [= Pinselhaar], Trichoptilose [=Spalten der Haare in Längsrichtung], Spliss),
  • Haarzupftest (frontal, okzipital).

1.2.4. Begleitsymptome:

  • Seborrhö [Gesteigerte Produktion der Talgdrüsen der Haut, was zu einem fettigen, öligen Hauttyp führt, an sich aber noch nicht als pathologisch gilt. Gut erkennbar ist dieser Typ an fettigen Haaren und vermehrtem Talgfluß im Gesicht und in der vorderen und hinteren Schweißrinne] ,
  • Kopfschuppen,
  • seborrhöisches Ekzem,
  • Follikulitis [=Bakterielle Besiedlung des Haarfollikels].

Ausschluss: Herdförmige Alopezie, Vernarbung (Schwund der Haarfollikelöffnungen).

1.3. Apparative Diagnostik.

Fotodokumentation unter standardisierten Bedingungen, Fototrichogramm (wissenschaftlich).

2. Labordiagnostik

Die Diagnose einer AGA wird in der Regel aufgrund der Anamnese und der klinischen Befunderhebung gestellt.

Bei Frauen <30 Jahre mit AGA Ludwig I, >30 Jahre mit AGA Ludwig II (kleiner Hormonstatus) und/oder bei Anomalien des Menstruationszyklus, Infertilität, Hirsutismus, Virilisierung, schwerer zystischer Akne oder Galaktorrhö (erweiterter Hormonstatus) sind
folgende Untersuchungen indiziert:

1. Kleiner Hormonstatus: Gesamttestosteron oder freies Testosteron, Dehydroepiandrosteronsulfat, sexualhormonbindendes Globulin;

2. erweiterter Hormonstatus: 17a-Hydroxy-progesteron, Prolaktin, andere;

3. zum Ausschluss einer zusätzlichen behandelbaren Ursache von Haarausfall (diffus) sind folgende Untersuchungen indiziert: basales thyreoideastimulierendes Hormon, Serumferritin, andere;

4. Trichogramm;

5. Haarbodenbiopsie: Morphologie, Morphometrie (Transversalhistologie);

6. andere.

3. Unangemessene Laboruntersuchungen

1. Haaranalysen auf Vitamine, Spurenelemente und Schadstoffe;

2. andere.