Finasterid bei Frauen

Ein neuer wissenschaftlicher Artikel beschäftigt sich mit der interessanten Frage, ob eine Anwendung von Finasterid bei Frauen sinnvoll ist. Hier eine Zusammenfassung.

Androgene haben ausgepägte Wirkungen auf Kopfhaut- und Körperhaar in Menschen. Haar auf der Kopfhaut wächst in Abwesenheit der Androgene, während Körperhaarwachstum von der Aktivität von Androgenen abhängig ist. Androgenetische Alopezie, bezeichnet als männlicher Haarverlust (MPHL) in Männern und weiblicher Haarverlust (FPHL) in Frauen, ist Alopezie durch die zunehmende Miniaturisierung von Kopfhauthaar. Beobachtungen bei Eunuchen, die niedrige testikuläre Androgene haben, sowie bei Männern mit genetischem 5 Alphareduktase (5 alphaR) Mangel, die niedrige Spiegel von Dihydrotestosteron (DHT) haben, implizieren DHT als ein Schlüsselandrogen in der Entstehung von MPHL in Männern.
Die Entwicklung von Finasterid, ein Typ-2-selektiver 5 alphaReduktase Hemmstoff, förderte unser Verständnis der Rolle von DHT in der Pathophysiologie von Alopezie. Kontrollierte klinische Prüfungen mit Finasterid demonstrierten Verbesserungen bezüglich des Kopfhauthaarwachstums an behandelten Männern, die mit Reduktion von DHT in der Kopfhaut verbunden war. Auch eine Tendenz in Richtung Umkehrung der Kopfhauthaarminiaturisierung war durch histopathologische Auswertung von Kopfhautbiopsien offensichtlich erkennbar.
Im Gegensatz zu seinen nützlichen Wirkungen in Männern verbesserte Finasterid kein Haarwachstum an postmenopausalen Frauen mit FPHL. Histopathologische Auswertungen von Kopfhautbiopsien bestätigten, dass die Finasteridbehandlung keinen Nutzen auf das Kopfhauthaar in diesen Frauen produzierte.
Diese Befunde lassen vermuten, dass MPHL und FPHL deutliche unterschiedliche klinische Bilder mit unterschiedlicher Pathophysiologie sind. Studien, die die molekularen Mechanismen untersuchen, wie die Androgene letztendlich Haarwachstum regulieren, würden ein besseres Verständnis dieser Unterschiede liefern.

Quelle:
Kaufman KD: Androgens and alopecia.
In: Molecular and cellular endocrinology; Vol 198 (1-2), S. 89-95