Thymuskin

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K. Mössler, M. Hagedorn. In: Der deutsche Dermatologe 11/1993, 1175-1182

Es werden im folgenden einige wesentliche Auszüge wiedergegeben:

Zusammenfassung

Es wird über die Ergebnisse aus einer offenen Studie an 20 Patienten mit Alopecia areata totalis sive universalis während einer 9-24monatigen Lokalbehandlung mit Thymus-extrakt (Thymu-Skin® Haarkur und Haarshampoo) berichtet. Bei 65% der so behandelten Patienten setzte Haarwachstum an der Kopfhaut und/oder am Körper ein, wobei es in 40% der Fälle sogar zu einer Vollremission kam. Im Vergleich zu anderen Therapiemethoden der Alopecia areata totalis und universalis wie Kontaktsensibilisierung mit Diphenylcyclopropenon oder oraler Sulfontherapie ist die Vollremissionsrate deutlich höher. Als großen Vorteil sehen wir die Applikation durch den Patienten selbst und die fehlende Notwendigkeit von engmaschigen Kontrolluntersuchungen beziehungsweise des wöchentlichen Besuchs in der Sprechstunde.

Einleitung

Die Therapie der Alopecia areata totalis beziehungsweise Alopecia areata universalis wird zumeist mit dem Kontaktallergen Diphenylcyclo-propenon (DCP), durch orale Sulfon-gabe (4,4'-Sulfonyldianilin, Dapson), mit Steroiden (lokal, systemisch), Minoxidil, Zinkpräparaten und lokaler Photo(chemo)therapie durchgeführt. Obwohl die allgemeine »Ansprechrate« zwischen 50% und 70% (DCP) liegt, ist eine Vollremission bei subtotaler oder totaler A. areata langer Bestandsdauer unter Kontaktsensibilisierung oder systemischer Sulfontherapie nur bei 7-28% der Patienten zu erzielen (3, 4, 11, 17, 38). Häufig kommt es zu Rezidiven nach Unterbrechung der Therapie; die Prognose dieser schweren Formen der Alopecia areata ist ungleich schlechter als beim kreisrunden Haarausfall mit Befall von weniger als 50 % des Kapillitiums.

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Material und Methode

20 Patienten (14 Frauen und 6 Männer, darunter 2 Kinder) mit A. areata totalis und A. areata universalis wurden über einen Zeitraum von 9-24 Monaten mit Thymusextrakt behandelt. Von den 20 Patienten litten 5 an A. areata totalis mit einer durchschnittlichen Bestandsdauer von 66 Monaten (12 Monate bis 18 Jahre) und 15 an A. areata universalis mit einer durchschnittlichen Bestandsdauer von 44,7 Monaten (6 Monate bis 14 Jahre) (Tab. 1). Mit Ausnahme der Patienten 13 und 17 hatten alle bereits eine Behandlung mit Stero-iden, Diphenylcyclopropenon (DCP), 4,4'-Sulfonyldianilin (Dapson) oder PUVA erhalten, die in den Fällen 6, 7, 9, 10, 11 und 20 mehrere Jahre zurücklag und erfolglos gewesen war. Die Patienten 5 und 14 waren zuvor mit steroidhaltigen Okklu-sionsverbänden und PUVA behandelt worden. Da bei Kindern eine Kontaktsensibilisierung mit DCP kontraindiziert ist, wurden sie ebenfalls in diese Studie aufgenommen.

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Zur Haarwäsche beziehungsweise zur Reinigung der Kopfhaut wurde das Shampoo in den ersten 2 Wochen täglich, danach 2-3mal wöchentlich angewendet. Die Haarkur wurde in den ersten beiden Wochen 2mal täglich, danach 1mal täglich auf die gereinigte Kopfhaut aufgetragen und 1-2 Minuten lang einmassiert. Beide Zubereitungen enthalten Thymus-Gesamtextrakt, Birkenextrakt, Brennesselextrakt, Aloe vera, demineralisiertes Wasser, tierisches Eiweiß, Elastin, Avocadoöl, Zitronensäure, Pyridoxin, Panthenol, LInolsäure, Tocopherolacetat, Retinylpalmitat sowie Hilfs- und Konservierungsstoffe. Eine Behandlung der zusätzlich befallenen Gesichts oder Körperareale erfolgte nicht.

Ergebnisse

Bei 13 (65%) von 20 mit dem Thymusextrakt behandelten Patienten setzte nach 6 bis 9 Monaten ein sichtbares Haarwachstum am Kopf und/oder am Körper ein. Im weiteren Behandlungsverlauf kam es nach 9-24monatiger Lokaltherapie bei 40% der Patienten zu einer kompletten Remission der A. totalis des Kapillitiums (alle 5 Patienten mit A. areata totalis und 1 Patient mit A. areata universalis) beziehungsweise zu einem vollständigen Haarwachs-tum der Körperhaare (2 Fälle mit A. areata universalis). Ein sehr gutes Haarwachstum trat bei 2 Patienten (8 und 12), ein mäßiges Haarwachstum der Kopf- und Körperhaare bei 3 Patienten (1,11 und 19; alle litten an A. areata universalis) ein (Tab. 1 - [Patientenliste hier nicht aufgenommen] ).

In 7 Fällen mit A. areata universalis (35% aller Patienten) konnte auch nach 24 Monaten kein Wachstum von pigmentiertem Terminalhaar festgestellt werden (Tab. 1).

Nach Absetzen der Therapie kam es bei 3 Patienten (2 Fälle mit A. areata universalis, 1 Patient mit A. areata totalis) zu einem Rezidiv. Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 dargestellt.

Behandlungsdauer Vollremission Teilremission Kein Haarwachstum
6-60 Monate 4/13 (30,8%) 4/13 (30,8%) 5/13 (38,4%)
über 5 Jahre 4/7 (57.1%) 1/7 (14,3%) 2/7 (28,6%)
Gesamtkollektiv 8/20 (40,0%) 5/20 (25.0%) 7/20 (35,0%)

Einen beispielhaften Verlauf des Haarwachstums am Kopf während der Lokaltherapie mit dem Präparat bei einer Patientin mit Areata totalis (Pat. 3) und einem Patienten mit A. areata universalis (Pat. 11) zeigen die Abbildungen 1 und 2.

Diskussion

Einen hohen Stellenwert in der Behandlung der Alopecia areata totalis sive universalis nehmen seit vielen Jahren die Lokalbehandlung mit Kontaktekzematogenen, insbesondere Diphenylcyclopropenon (DCP), und die orale Sulfontherapie mit Dapson ein. Erstere führte nach Untersuchungen von McDonald Hüll und Norris bei 28 Patienten mit A. areata des Kapillitiums langer Bestandsdauer in 28% der Fälle zu einer Vollremission und in 7% zu einer Teilremission (17). In einer anderen Studie kam es bei 5 von 22 Patienten (22,8%) mit A. areata totalis oder universalis zu einer Vollremisssion (3). Nach Angaben von Zaun kam es in einem vergleichbaren Patientengut (n = 28) in 25% zu einer kompletten Remission (38).

Aus einer vergleichenden Untersuchung über die Therapie der A. areata totalis sive universalis mit DCP oder Dapson liegen von Knauber und Zaun folgende Ergebnisse vor: Bei 28 Patienten mit A. areata totalis sive universalis wurde eine Vollremission in 21,4% (DCP) beziehungsweise 22% (Dapson) und eine Teilremission in 57,2% (DCP) beziehungsweise 52% (Dapson) der Fälle erzielt (11). Aus ihren Untersuchungen geht hervor, daß bei kurzer Krankheitsdauer (bis 6 Monate) eine Vollremission nicht selten ist und daß mit zunehmender Krankheitsdauer (über 5 Jahre) bei nahezu 2/3 der Patienten eine Teilremission nach Behandlung mit DCP oder Dapson erzielt werden konnte (11).

.... [Infos zu Erfahrungen mit anderen Therapien, Vermutungen zur Ursache der alopecia areata]

Im vorliegenden Erfahrungsbericht wurden 5 Patienten mit A. areata totalis und 15 Patienten mit A. areata universalis über einen Zeitraum von 9-24 Monaten mit Thymusextrakt behandelt. Hierbei kam es bei 40% der Patienten zu einer Vollremission und bei 25% zu einer Teilremission. Im Vergleich zu den oben zitierten Autoren konnten wir durch die Lokaltherapie insbesondere bei Krankheitsbildern mit langer Bestandsdauer deutlich bessere Erfolge im Sinne einer Vollremission erzielen; Teilremission trat dagegen in unserem Patientengut weniger häufig ein.

Ebenso wie unter der Anwendung von DCP bei A. areata universalis konnten wir durch alleinige Applikation des Präparates auf die Kopfhaut ein Nachwachsen von Haaren an unbehandelten Gesichts- und Körperarealen feststellen.

Von besonderer Bedeutung erscheint uns die Tatsache, daß es vom Patienten selbst appliziert werden kann und weder lokale noch systemische Nebenwirkungen hervorruft. Somit entfallen aufwendige Laboruntersuchungen wie sie während der Einnahme von Dapson erforderlich sind und die wöchentliche Applikation von DCP durch den Arzt.

Der Wirkungsmechanismus des Präparats bei den verschiedenen Formen der A. areata ist bisher nicht geklärt, die immunmodulatorische Wirkung von Thymuspeptiden ist jedoch bekannt (29, 30). Es ist denkbar, daß lokal applizierte Thymus-peptide ebenfalls einen immunmodulierenden Effekt auf das bei der A. areata vorherrschende peri- und intrabulbäre lymphozytäre Infiltrat haben, dessen proliferationshemmende Wirkung zum Haarausfall führt.

Auf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, daß die A. areata zur Spontanremission neigt, welche jedoch mit zunehmender Bestandsdauer immer seltener eintritt (16).

Während in dem Präparat ein Thymus-Gesamtextrakt vorliegt, gibt es Hinweise darauf, daß auch einzelne Thymusfraktionen bei A. areata wirksam sind. So erzielten Tosti et al. durch die intravenöse Gabe von Thymopentin bei 5 von 12 Patienten (41,6%) mit schwerer Alopecia areata und bei 2 von 8 Patienten (25%) mit A. areata totalis eine komplette Remission (33).

... [ es folgen Ergebnisse mit einem nicht in Deutschland erhältlichen Produkt]

Aufgrund unserer Ergebnisse aus der vorliegenden Anwendungsbeobachtung erscheint uns der Einsatz des Präparates auch bei schweren Fällen der A. areata unter dem Aspekt einer risikolosen und effektiven Langzeitbehandlung sinnvoll.

Bild 1

Bild 2