Hallo Tatzl,
bei den von dir aufgeführten Beiträgen handelt es sich stets um einzelne Fallberichte. Dies bedeutet, dass in keinem der Fälle ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Ausbruch einer Erkrankung gezogen werden kann, da man die weitere Entwicklung, die ohne die Impfung eingetreten wäre, nicht kennt. Das ist ähnlich dem Storch-Paradoxon: Früher ging man davon aus, dass die Anwesenheit von Störchen in bestimmten Regionen die Geburtenrate erhöhen würde. Aber es lässt sich kein Zusammenhang nachweisen. Es ist eine zufällige Beobachtung, die in engem zeitlichen Bezug steht.
Die vielzitierte Studie, die behauptete, dass Impfungen Autismus aulösen würde, ist gerade erst kürzlich komplett zurückgenommen worden. Die Daten waren schlecht, bzw. gefälscht, die Studie wurde nicht nach wissenschaftlichen Standarts durchgeführt. Leider passiert so etwas gar nicht selten und führt nicht nur bei Patienten, sondern auch bei Medizinern zu Verunsicherungen.
Aus meiner Sicht gibt es keine nach wissenschaftlichen Standarts (randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert) durchgeführte Studie, die einen Zusammenhang zwischen Impfungen und dem Ausbruch von bestimmten Erkrankungen zeigen konnte. Ganz im Gegenteil! Sämtliche in Deutschland zugelassenen Impfstoffe haben eine klar belegte Wirksamkeit (wobei Wirkamkeit nicht bedeutet, dass danach 100% der Geimpften immun sind!) und sind bis auf wenige Ausnahmesituationen meiner Meinung nach unbedenklich in der Anwendung. Dies gilt auch für die immer wieder kritisierten Adjuvantien. Gerade für immungeschwächte Menschen, z.B. Diabetiker, verlängert eine Impfung beispielsweise gegen Pneumokokken das Überleben deutlich.
Die einzige potentielle Gefahr für immungeschwächte Personen geht von Lebendimpfstoffen aus (Masern, Mumps, Röteln, Varizellen [MMR-V Impfstoff]). Das ist z.B. der Grund warum die MMR-Impfung bei Kindern erst ab dem 1. Lebensjahr empfohlen wird, da diese erst dann schon soviel Erregerkontakte gehabt haben, dass sie mit den abgeschwächten Erregern fertigwerden. Alle anderen Impfstoffe sind nicht in der Lage, eine systemische Infektion auszulösen.
Für gesunde Personen besteht das größte Risiko in einer allergischen Reaktion, die lokal häufig auftritt, systemisch (allergischer Schock) jedoch sehr selten ist.
Wenn wir uns über das gehäufte Auftreten von autoimmunen Erkrankungen unterhalten, müssen wir uns meiner Meinung nach weniger Gedanken ums Impfen, als vielmehr um Nahrungsmittelzusätze, Stabilisatoren, Aromen, Geschmacksverstärker, sonstige Chemikalien in unserer Umwelt und übertriebene Hygiene machen.
Um deine Eingangsfrage nochmal aufzugreifen: Ich würde mich impfen lassen. Krankheiten wie Hep A, Typhus, Tetanus und auch Tollwut sind in Lateinamerika leider keine Seltenheit.
Gruß
ribspreader