Hi alle,
kleines update von mir. Die TK hat nun letztendlich nach vielem hin und her am Telefon bestätigt, dass sie ebenfalls wegen der Lifestyle-Medikamenten Regelung das Medikament nicht übernehmen kann.
Ich habe mich an den Sozial-medizinischen Dienst gewandt und werde auch dem G-BA schreiben.
Hier eine Zusammenfassung ein paar Studien, vielleicht hilft das ja einigen weiter.
Es ist ein Irrglaube, dass Alopecia „nur“ eine kosmetische Erkrankung ist und es ist weiterhin ein Irrglaube, dass die Behandlung mit Olumiant nur Symptome behandelt.
Der Haarverlust stellt ein Symptom der körpereigenen Antikörper gegen Haarfollikel dar. Der Einsatz von Antikörpern geht allerdings mit Entzündungsreaktionen einher (McLean & Tidman, 2013). Es ist mittlerweile bewiesen, dass chronisch entzündliche Krankheiten multiple Negativreaktionen auslösen, unter anderem Fatigue (Lacourt et al., 2018), Verringerung der Kognitionsfähigkeit (Yaffe et al., 2003), Gliederschmerzen, Schlafstörungen, psychische Erkrankungen, Gastrologische Beschwerden, Häufungen von Infekten,… (Pahwa et al., 2022).
Dass dies bei Alopecia Areata eine Rolle spielt, wird unterstützt durch das Wissen, dass weitere autoimmun wie entzündliche oder allergische Erkrankungen gehäuft bei Patienten mit Alpecia Areata auftreten (Lee et al., 2019). Jak-Inhibitoren wie Olumiant stellen eben nicht nur einen Schutz vor dem Verlust der Haare dar, es verhindert die komplette Entzündungsreaktion indem der Signalweg inhibiert wird (Dai et al., 2022). Dadurch kann das Haarwachstum wieder beginnen, allerdings wird auch das gesamte körperliche Befinden verbessert und die Wahrscheinlichkeit zukünftig weitere Folgeerkrankungen oder Komorbiditäten zu verhindern.
Näher an der Behandlung der Ursache dieser Erkrankung käme man nur, durch einen kompletten Reset des Immunsystems, welches zB durch ein Abtöten aller T-Zellen erreicht werden kann. Da diese Form der Behandlung allerdings höchst riskant ist, wird sie selbst bei schweren Autoimmunerkankungen nur experimentell und bei letalem Verlauf angewandt (Macjensen et al., 2022).
Quellen:
MacLean, K. J., & Tidman, M. J. (2013). Alopecia areata: more than skin deep. The Practitioner, 257(1764), 29–3.
Lacourt, T. E., Vichaya, E. G., Chiu, G. S., Dantzer, R., & Heijnen, C. J. (2018). The High Costs of Low-Grade Inflammation: Persistent Fatigue as a Consequence of Reduced Cellular-Energy Availability and Non-adaptive Energy Expenditure. Frontiers in behavioral neuroscience, 12, 78.
Yaffe, K., Lindquist, K., Penninx, B. W., Simonsick, E. M., Pahor, M., Kritchevsky, S., Launer, L., Kuller, L., Rubin, S., & Harris, T. (2003). Inflammatory markers and cognition in well-functioning African-American and white elders. Neurology, 61(1), 76–80.
Pahwa, R., Goyal, A., & Jialal, I. (2022). Chronic Inflammation. In StatPearls. StatPearls Publishing.
Lee, S., Lee, H., Lee, C. H., & Lee, W. S. (2019). Comorbidities in alopecia areata: A systematic review and meta-analysis. Journal of the American Academy of Dermatology, 80(2), 466–477.e16.
Dai, Z., Sezin, T., Chang, Y., Lee, E. Y., Wang, E. H. C., & Christiano, A. M. (2022). Induction of T cell exhaustion by JAK1/3 inhibition in the treatment of alopecia areata. Frontiers in immunology, 13, 955038.
Mackensen, A., Müller, F., Mougiakakos, D. et al. Anti-CD19 CAR T cell therapy for refractory systemic lupus erythematosus. Nat Med 28, 2124–2132 (2022).
Ich wünsche allen dabei viel Erfolg eine Behandlung zu erhalten. Hat schon Jemand darüber nachgedacht, sich an die Medien zu wenden?