Jetzt bringe ich mich auch mal wieder ein, habe mich in letzter Zeit eher mit Lesen begnügt. Hatte obigen Beitrag von Malance heute morgen auch gelesen und ähnliche Gedanken gehabt wie ihr. Mein Haarausfall ist derzeit richtig schlimm (400+/tgl.) und das traurige Resultat nicht mehr wirklich kaschierbar. Wenn ich dann so Fotos wie jenes oben sehe, kriege ich oft das Gefühl, dass ich hier im Forum nicht mehr richtig reinpasse und alles hoffnungslos ist. Trotzallem denke ich, wir sollten das Leid von denen, die vielleicht noch nicht so kritisch aussehen, nicht schmälern. Ich erinnere mich, dass ich bspw. vor einem halben Jahr auch schon extrem unter meinem Haarausfall gelitten habe, obwohl ich heute froh wäre, wieder den Status von damals zu haben. Und zwar einfach nur, weil ICH schon eine deutliche Lichtung sah, weil ich merkte, wie der Haarausfall voranschritt, weil ich keine Ursache und Lösung sah und einfach nur Angst hatte, wo das alles hinführen soll. Ich denke, es ist das Unkontrollierbare und die Unklare Prognose, die den Haarausfall so schwer erträglich macht. Bei mir war es zumindest lange Zeit so, dass ich dachte: "Klar waren meine Haare früher schöner, aber wenn der Haarausfall jetzt einfach nur aufhören würde, dann könnte ich mich schon irgendwie mit dem aktuellen Status anfreunden, hps. diese Unsicherheit wie es weitergeht ist weg.". Von daher denke ich, dass das Leiden vielleicht nicht unbedingt proportional zum tatsächlichen Haarstatus ist. Vielmehr scheint es mir beim Lesen hier manchmal sogar so (und das ist auch eine Hoffnung von mir), dass man vielleicht irgendwann eine gewisse Akzeptanz erreichen kann, dass man zwar weiterhin Haarausfall hat, vielleicht sogar deutlich schlimmer ausschaut als am Anfang, aber dennoch weniger leidet, einfach weil man es geschafft hat, zu akzeptieren (nicht gut zu finden!) und sich wieder anderen Dingen zuzuwenden, die einem fürs eigene Leben wichtig sind.
Genau an diesem Thema versuche ich gerade für mich zu arbeiten. Anfangs habe ich mich innerlich wie wild gegen eine Akzeptanz des Haarausfalls gewehrt, wortwörtlich habe ich zu meinem Partner gesagt "Ich will diesen Scheiß nicht akzeptieren.", weil ich dachte das hieße, sich abzufinden, nicht alles zu versuchen. Mittlerweile habe ich für mich erkannt, dass akzeptieren nicht gutfinden heißt und dass der ewige innere Kampf (Panik, Zukunftsängste, wie lange kann ich noch rausgehen, ich halte das alles nicht aus,...) mir nur die Kraft für anderes nimmt. Allerdings stehe ich noch ganz am Anfang dieser Erkenntnis und das alles funktioniert auch nur in guten Momenten:-( Ich möchte euch aber ein Buch empfehlen, von dem ich mir Unterstützung auf dem Weg erhoffe und auch schon ein Stück weit bekommen habe. Es heißt: "Das Leben annehmen", ist ein Selbsthilfebuch zur Akkzeptanz- und Commitmenttherapie. Eigentlich halte ich nicht viel von solchen Geschichten, aber dies ist ein wissenschaftlich belegter, mir sehr sinnvoll scheinender therapeutischer Ansatz. Es geht letztlich darum, zu unterscheiden zwischen Dingen, die man kontrollieren kann und Dingen die man nicht kontrollieren kann und letztere zu akzeptieren. Außerdem geht es darum, zu reflektieren, was einem im Leben wichtig ist (da gibt es tw. harte, aber wirksame Übungen, wie sich zu überlegen, was man tun würde, wenn man nur noch ein Jahr lebt oder sich seine eigene Beerdigung auszumalen) und dann danach zu handeln. Mir hilft das ganze oft, den Blick wieder zu weiten (über den Haarausfall hinaus) und wieder handlungsfähig zu werden. Und da möchte ich mich kurz auf dich beziehen "hoffnungslos" - du sagst, malance soll ihr Leben genießen, denn wir hier könnten das nicht. Dieses Gefühl habe ich auch sehr oft, erst wieder heute morgen, aber es stimmt bei mir nicht durchgängig und ich denke und hoffe, dass wir das eben doch (lernen) können! So weit erstmal von mir. liebe Grüße, Marion
[Aktualisiert am: So., 12 August 2012 12:35]