Hi Lulu,
mir geht es an vielen Tagen genau wie dir. Es ist auf jeden Fall gut, dass du dir das alles von der Seele schreibst. An den "bad hair days" gucke ich auch oft ins Forum und weiß dann, dass ich nicht allein bin.
Ich kann Freunden so oft ich will von meinem Haarausfall erzählen, aber für keinen ist es wirklich nachvollziehbar, wie es mir damit geht. Natürlich ist es nicht so schlimm wie schwere Krankheiten, aber mich belastet es extremst. Zumal ich mich früher immer über meine vielen Haare geärgert und mir nie Mühe bei der Haarpflege gegeben habe. Und mich jetzt natürlich frage, ob der Haarausfall eine "Bestrafung" dafür ist, weil es gerade MICH trifft.
Ich habe auch nicht andere Ernährungsgewohnheiten als meine besten Freundinnen. Aber die haben wunderschönes, volles Haar.
Wenn man mich frontal ansieht, bemerkt man noch nichts. Den fingerbreit kahlen Scheitel sieht man nur, wenn man mir auf den Oberkopf schaut. Aber gerade auf Fotos ist das halt dann schlimm. Ich ertappe mich ständig, wie ich in den Spiegel schaue um zu gucken, ob die Frisur noch halbwegs sitzt. Haare zählen traue ich mich gar nicht, das wäre nur frustrierend. Wenn ich sehe, wie viele Haare allein nach dem Kämmen in der Bürste sind...Es ist zum kotzen. Und wenn man dann im Wind stand und der Scheitel ist verzottelt...der Anblick ist einfach grausam. Jeden Tag erwarte ich, dass der nächste Bekannte ankommt und mich fragt, warum ich denn eine Glatze kriege. Letztens stand ein Bekannter hinter mir (ich saß), der nichts davon weiß. Normal vermeide ich so Situationen sogar, man könnte mir ja auf den Oberkopf schauen...
Als ich mich dann umdrehte, sah er etwas irritiert aus. Ich weiß aber natürlich nicht, ob das wegen der Haare war - man bildet sich das nur direkt so ein. Überall und in jeder Situation fühle ich mich unangenehm beobachtet.
Ich habe sogar angefangen zu beten. Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder. Bisher habe ich mich nämlich noch nicht an Regaine oder die Pille getraut, sondern schlucke nur NEMs. Die Horrorgeschichten, die man hier über Regaine und die Abhängigkeit von dem Zeug liest, lassen mich extrem zögern.
Das geht jetzt schon ein Jahr seit meiner ärztlichen Haarausfall-Diagnose, und es wird nicht besser. Natürlich versuche ich seitdem, mich gesünder zu ernähren und Stress zu reduzieren. Aber nichts hat sich bisher positiv ausgewirkt. Ich versuche mich abzulenken mit Dingen, die mir Spaß machen. Früher spielte ich immer Gitarre und habe dabei jegliches Zeitgefühl vergessen. Doch seit Anfang des Jahres hab ich Probleme mit dem Handgelenk und der Spaß wird mir genommen. SEHR ärgerlich.
Es ist wirklich zum verzweifeln - und ich muss mir jeden Tag Mühe geben, nicht meinen Tag von diesen Ängsten dominieren zu lassen. Wenn ich sehe, dass meine Mutter mit 55 mehr Haare hat als ich mit 24, frage ich mich schon, was ich bloß so falsch gemacht haben kann.
Ich fühle mich oft schrecklich allein mit meinen Ängsten. Und ich habe die Sprüche satt wie z.B.: "Naja, dann macht man nen anderen Haarschnitt, vielleicht etwas kürzer, damit kann man viel kaschieren". An Tagen, wo ich denke "Hey, es ist besser geworden", freue ich mich. Aber meist kommt dann ein Tag, der alles wieder umwirft. So wie bei dir jetzt.
Seit einem Jahr lese ich nun dieses Forum, andere Webseiten und auch Bücher über Ernährung. Ich habe die Ärzte satt, die immer nur das gleiche erzählen, aber selbst bin ich halt kein Mediziner und einfach total verwirrt, was nun wie richtig ist.
Aber eins weiß ich: Ich bin nicht allein, weil es viele nette Leute hier im Forum gibt, die mein Problem teilen. Und ich bin sehr froh, dass es diese Seite gibt. Denn hier fühlt man sich verstanden und es geht mir meist auch einen Tick besser, wenn ich hier gelesen habe.
-Katharina