FUE oder FUT?
Er sprach von sich aus direkt von FUE und ich sagte, dass ich diesmal lieber eine FUT hätte, sofern nichts dagegen spricht. Da fragte er mich "Wollen Sie sich den Streifen wirklich antun??" Da war ich doch etwas überrascht, zumal ich wusste, dass er schon etliche FUT- Behandlungen erfolgreich durchgeführt hat und auch immer noch macht, auch wenn er inzwischen FUE bevorzugt. Aber ich bin eine Frau... meine langen Haare....?!?
Bei meiner ersten HT hatte ich eine FUE, da hatte mir der Berater aber auch mehrfach versichert, dass nur ein ganz schmaler Streifen rasiert wird und das überhaupt nicht auffallen wird.
Und was war? Eine große, kahle Fläche von einem Ohr bis zum anderen und ich hatte Mühe, die kahle Fläche mit den wenigen, hinter der den Ohren und im Nacken verbliebenen Haaren zu bedecken, denn aufgrund meiner Haarlänge muss ich mir zumindest für die Arbeit einen Zopf binden. Es dauert auch ewig, bis die Haare wieder nachgewachsen sind (bei meiner Länge mehrere Jahre). Außerdem fehlt ja auch das Volumen... nun bin ich schon über ein Jahr nur mit einem tief angesetzten, dünnen Rattenschwanz rumgelaufen und war froh, dass die Haare zumindest bis zum Nacken nachgewachsen sind, und dann muss schon wieder alles runter? Bitte nicht...
Er hatte eine Dichtemessung meines Donors gemacht, einmal im vorherigen Entnahmebereich und darüber. Der Entnahmebereich war für eine zweite FUE Entnahme schon zu ausgedünnt und er hätte dann die Fläche darüber abrasieren müssen. Das fand er immer noch besser als FUT und ich sah einen weiteren, großen Teil meiner Haarpracht schwinden. Was hätte danach noch übrig bleiben sollen?
Dann kam noch dazu, dass er sagte, dass ich bei FUE vermutlich später noch eine weitere, kleine HT brauchen werde, um nochmal zu verdichten. Nun wäre das aber bereits meine zweite und irgendwann soll es auch mal gut sein. Bei einer FUT wäre -wenn überhaupt-voraussichtlich nur noch ein kleines Touch-up nötig mit vielleicht 100-200 FU's, die dann mittels mini-FUE entnommen werden könnten. Er meinte nämlich, dass es sein könnte, dass die Anwuchsrate in der Stirnmitte etwas geringer sein könnte, weil das Gewebe dort sehr dünn und empfindlich ist (bei mir zumindest) und er auch eine leichte Vernarbung durch den ersten Eingriff erkennen kann.
Ich habe schon öfter gelesen, dass die Anwuchsrate bei einer FUT etwas höher sein soll, da mehr Fettgewebe an den FU's bleibt und diese nicht ganz so empfindlich sind.
Wenn bei einer FUE wirklich absolut vorsichtig mit den FU's umgegangen wird, also bei der Entnahme, der Lagerung und dem Einsetzen, sollte der Unterschied bzgl. der Anwuchsrate nur noch sehr gering sein.
Dr. Feriduni hat das selber so nicht bestätigt, aber ansonsten wüsste ich nicht, warum bei einer FUE die Wahrscheinlichkeit größer sein soll, dass eine zweite Behandlung erforderlich sein wird.
Ich hatte vorher schon eher zu einer FUT tendiert, hauptsächlich um eine erneute Rasur zu vermeiden. Obwohl Dr. Feriduni zunächst der Ansicht war, dass eine FUE für mich besser wäre, lieferte er mir im Gespräch sogar noch weitere Argumente dagegen und musste selbst einsehen, dass in meinem Fall wirklich nicht mehr viel für FUE spricht, außer natürlich die Tatsache, dass es ein minimalinvasiver Eingriff wäre mit einer deutlich schnelleren Heilungsphase und ohne sichtbare Narbe.
Was die Narbe betrifft, würde man sie aufgrund meiner langen Haare garnicht sehen. Die Schmerzen nach der OP und die längere Heilungsphase war ich bereit, in Kauf zu nehmen. Über die Risiken, die mir schon bekannt waren, hat er mich nochmals aufgeklärt. Das größte Problem besteht darin, dass beim Herausschneiden des Hautstreifens tiefer liegende Hauptnerven durchtrennt werden können. Wo die Hauptnerven verlaufen, hat er mir auch nochmal mit einer kleinen Zeichnung veranschaulicht. Normalerweise sollte das nicht passieren wenn der Arzt ausreichend Erfahrung hat, aber 100%ig ausschließen kann man es eben nicht. Die Folge wäre dann möglicherweise ein deutlich länger anhaltendes Taubheitsgefühl und möglicherweise auch stärkere Nervenschmerzen (da bin ich mir aber nicht ganz sicher, ob er das gesagt hat).
Dann hat er auch nochmal die Trichophytic Closure - Technik skizziert, also wo was wie geschnitten und anschließend vernäht wird, damit später auch Haare durch die Narbe hindurchwachsen können und die Narbe dadurch noch unauffälliger wird.
Im Übrigen war ich mir bewusst darüber, dass er in der Hinsicht viel Erfahrung hat und auch wirklich sehr feine, unauffällige Narben erzeugen kann.
Natürlich hängt das auch zum großen Teil von den eigenen Gegebenheiten ab, wie gut die Wundheilung ist, ob man zu übermäßiger Narbenbildung neigt und im Wesentlichen auch von der Dehnbarkeit der Kopfhaut.
Wie dehnbar sie ist, also wie weit sie sich verschieben lässt, hatte er getestet und kam auf 1cm. Der zu entnehmende Streifen wäre ca. 20-22cm lang und 1cm breit, also schon grenzwärtig und er zeigte mir, welche Übungen ich machen muss, um die Dehnbarkeit bis zur OP zu erhöhen. Das ist deswegen wichtig, weil die Kopfhaut ansonsten durch die Streifenentnahme anschließend unter Spannung stehen könnte, was dann zu einer Verbreiterung der Narbe führen würde, was man auf jeden Fall vermeiden sollte.
Ich könnte mir vorstellen, dass bei den Kliniken, wo häufig eine "Breitnarbenbildung" als Folge einer FUT auftritt, genau darauf eben nicht so geachtet wird, wie auch auf die richtige Position des Streifens; wird er zu tief entnommen, kommt durch die Nackenmuskulatur ständig Zug auf die Narbe und führt ebenfalls zu einer Verbreiterung. Auch die Wundverschlusstechnik wird sicherlich Einfluss auf das spätere Narbenbild haben.
Vermutlich wird auch die ein oder andere Frau diesen Bericht lesen, zumal es leider auch nur wenige Berichte von Frauen gibt.
Deswegen möchte ich nochmal erwähnen, dass ich von einer FUE bei Frauen keineswegs generell abraten möchte.
Ich hatte ja auch meine Gründe, warum ich mich bei meiner ersten HT für FUE entschieden habe. Die Vorstellung, dass ein ganzer Hautlappen herausgeschnitten wird, fand ich ehrlichgesagt schon "gruselig" und ich hatte Respekt vor den Schmerzen nach der OP, der längeren Heilungsphase und den Risiken.
Mir schien diese Methode nach meinem damaligen Kenntnisstand veraltet zu sein, so wird es ja heutzutage leider auch des öfteren von den Kliniken dargestellt, die mittlerweile nur noch mit FUE arbeiten, dabei haben beide Methoden ihre Berechtigung und ihre Vor- und Nachteile.
Für die benötigte Anzahl an Grafts hätte man auch bei der zweiten HT problemlos eine FUE machen können und ein gewissenhafter Arzt wird auch bei der Rasur darauf achten, dass man die Fläche anschließend gut verdecken kann. Dafür sollte eben nicht so dicht bis an die Ohren alles wegrasiert werden.
Bei einer größeren Entnahmefläche könnte man auch mehrere schmalere Streifen rasieren. Dadurch, dass die Haare zwischen den Teilbereichen lang bleiben, lässt sich die Fläche später besser mit den Haaren verdecken.
Da Frauen i.d.R. die Haare länger tragen, fällt die unterschiedliche Dichte im Spenderbereich auch nicht auf.
Bei Männern besteht dann eben das Problem, dass man eine zu starke Ausdünnung auf zu kleiner und zu stark abgegrenzter Entnahmefläche später bei einem Kurzhaarschnitt sehen könnte und diese Bereiche als Steifen erkennbar sein würden, was dann den eigentlichen Sinn einer FUE, nämlich das nicht erkennbare Narbenbild, verfehlen würde.
Das Problem bei mir bestand eben darin, dass ich zunächst völlig falsch beraten wurde und der Arzt sich bei der Rasur offenbar wenig Gedanken darum gemacht hat. Insofern war es für mich anschließend ein Schock, wieviel tatsächlich rasiert wurde. Unabhängig von meinem persönlichen "FUE- Trauma" gab es dann eben wie bereits erwähnt noch das Problem, dass in dem selben Bereich nicht nochmal entnommen werden konnte, es wäre also noch mehr abrasiert worden und die Haare von der ersten Rasur waren eben auch noch sehr kurz. Dann noch die Sache mit der zweiten HT zur Verdichtung, die dann bei mir schon die dritte gewesen wäre. Dazu kommt noch, dass es bei mir wirklich ewig dauern wird, bis alles wieder rausgewachsen ist, da ich meine Haare gerne sehr lang trage.
Bei einer FUT hat man eben anschließend keine sichtbare optische Beeinträchtigung und insofern erinnert trotz der längeren Wundheilung schon bald nichts mehr an den Eingriff, denn die Narbe sieht man nicht zwischen den langen Haaren.
Weitere Vorteile gegenüber FUE sind die etwas höhere Anwuchsrate und die Tatsache, dass die Haare für den Streifen nicht so kurz rasiert werden wie bei FUE und man somit auch die natürliche Biegung der Haarschäfte besser erkennen und die Haare dementsprechend auch einsetzen kann. Dadurch wirkt die Wuchsrichtung später einheitlicher und natürlicher, als wenn diese natürlichen Biegungen durcheinander gebracht werden durch uneinheitliches Einsetzen.
Hmm... das klingt jetzt sehr anspruchsvoll, fürchte ich. Ist aber meiner Meinung nach insbesondere für die Haarlinie schon wichtig und ich sehe den Unterschied gerade selbst an meinem eigenen Ergebnis. Man kann gut erkennen, wie die Haare alle im gleichen Bogen in die entsprechende Richtung wachsen.
Würden die Haare aber alle unterschiedlich herum eingesetzt werden, dann stelle ich mir das Ergebnis schon etwas "wild" vor und eben nicht so natürlich.
Das ist jetzt alles sehr ausführlich gewesen und das ganze Thema FUT vs. FUE wurde bestimmt schon tausendmal diskutiert, ist aber eben auch für jeden immer wieder aktuell, der eine HT plant und sich entscheiden muss.
Das war jetzt mal meine Sicht der Dinge - als Frau.
[Aktualisiert am: Fr., 07 September 2018 23:05]