Tag 8
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So, hier habe ich jetzt lange überlegt, was und wie ich es schreibe. Aber, da ich ein aufrechter Mensch bin mit immer offenem Visir, schreibe ich es gerade raus wie es war, ohne irgendjemand einen Vorwurf zu machen, da ich ja auch bedenken muss, dass ich mich letztendlich in einem anderen Kulturkreis befand und eben dort die Handhabungen ein bißchen anders ablaufen - nichtsdestotrotz war ich am letzten Tag tierisch geladen, warum teile ich gleich mit.
Der Tag begann erst mal völlig normal, als gegen 9 Uhr Dr. Khan mit Schwester meinen Counterpart zur Haarwäsche führte. Danach verschwanden aber alle nach oben in den OP-Saal. Hm, komisch dachte ich, sonst war ich der nächste mit der Haarwäsche gewesen - mir hätte es ja auch nichts ausgemacht, wenn man mir das gesagt hätte, dass ich ggf. selber meine Haarwäsche machen soll und die Salbe auf die Einsatzstellen auftrage, aber keiner sagte was. Ich saß da jetzt fast zwei Stunden lang. Dann ergriff ich die Initiative und wusch mir die Haare und verpflegte mich so selber an den Empfangsstellen umd im Bartbereich, da ich ja noch eine lange Heimreise vor mir hatte, wollte ich auf jeden Fall mit "Verpflegung" im HT-Bereich die Reise antreten.
Ich dachte, ich komme eben dann nach der OP dran von meinem Counterpart, für ein kurzes abschließendes Gespräch - das war so das mindeste, was mir vorschwebte. Komisch war jetzt, nachdem mein Counterpart die ersten 500 Grafts eingesetzt bekommen hatte und sich in die Sessionpause begab, dass sich immer noch niemand blicken lies und es war schon 11 Uhr durch. Mein Flug ging um 13 Uhr und ich hatte im Hinterkopf, dass die Fahrt zum Flughafen mind. 30 Minuten dauerte. Also, wieder die Initiative ergriffen und bin zu Dr. Özgür, und teilte ihm mit, dass wir das Finanzielle noch regeln müssen, ich noch gerne etwas zu meinem zukünftigen Donorreserven erfahren möchte und noch ein paar Flug- und Bahninformationen ausgedruckt haben möchte.
Dr. Özgür hat sich auch sogleich entschuldigt und meinte, dass aufgrund des Todes seines Vaters sehr viel letzte Woche anders lief wie im Normalbetrieb und dass seine Schwester schon unterwegs sein, welche in der Regel die finanziellen Angelegenheiten regelt. Nachdem ich ihm mitgeteilt hatte, dass ich schon ziemlich spät dran bin, haben wir sogleich die finanziellen Angelegenheiten geregelt und er hat nochmals meinen Donor begutachtet und meinte, dass ich locker Reserven von 1k, eher 1.5k Grafts im Nackenbereich hätte und im Bartbereich ewig viel - er sagte auch, dass wir später die Haarlinie auch problemlos noch einen ganzen Zentimeter bei Bedarf tiefer legen könnten. Er empfahl mir auch die Benutzung von Regain Foam, zumindest für die ersten 6 Monate nach den ersten 4 Wochen - er benutzt dieses Mittel ebenfalls - jedoch steht bei ihm bald auch eine HT an, denn im vorderen Bereich wird es lichter bei ihm.
Nach dem Ausdrucken der Unterlagen stand dann auch schon sogleich der Fahrer Herr Selami vor der Tür und ich verabschiedete mich ganz schnell von allen und meinem Counterpart, der noch 500 Grafts vor sich hatte. Am Flughafen hatte ich dann noch gut 50 Minuten Zeit, so dass alles innerhalb des zeitlichen Rahmens zu Ende ging in Ankara - leider musste ich einen Zwischenstopp in Istanbul infolge der Umbuchung des Fluges in Kauf nehmen, aber ich war erst einmal heilfroh, wieder auf dem Heimweg zu sein und war sehr erleichtert, dass nun erst mal alles vorbei war.
Keine Ahnung was passiert wäre, hätte ich nicht die Initiative ergriffen - wahrscheinlich hätte mich der Fahrer Herr Selami nur abgeholt ohne abschließendes kurzes Gespräch und Geld hatte ich ja auch zuviel bezahlt, so dass ich noch etwas zurückbekommen hätte - dies war dann schon ein bisschen komisch - soll aber den Gesamteindruck nicht eintrüben, sondern hat mir vermittelt, dass ich in Zukunft wohl nicht mehr von irgendwas ausgehe, sondern gleich die Initiative überneheme - andere Sitten, andere Länder hin oder her - da ist man dann schon auf der besseren und sicheren Seite.