Streßbedingter Haarausfall

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Es ist viel diskutiert worden, ob oder ob nicht Stress tatsächlich Haarverlust (telogener Ausfall) auf eine klinisch relevante Art verursachen kann. Trotz der psychosozialen Wichtigkeit des Haares in der menschlichen Gesellschaft ist dieses zentrale, rätselhafte und strittige Problem klinisch angewandter Stressforschung nicht systematisch in entsprechenden Tiermodellen untersucht worden.

 

An der Berliner Charite ist man dieser Frage jetzt nachgegangen. Es wurde dort in Untersuchungen belegt, dass Stress tatsächlich "in vivo" (am Tiermodell) den Haarfollikel-Zyklus ändert, z.B. in Mäusen die normale Dauer von aktivem  Haarwachstum (Anagen-Phase) voreilig beendet. Zusätzlich wurden entzündliche Prozesse (z.B. Makrophagen-Anhäufung, übermäßige Mastzellaktivierung) , die für den Haarfollikel schädlich sind, in der Haar-Follikel Umgebung von gestressten Mäusen gefunden. Dies liefert den ersten festen pathophysiologischen Mechanismus dafür, wie Stress die anagene Phase beenden und telogenen Ausfall verursachen kann, eben durch die Verbindung von Haarzyklusmanipulation und neuroimmunologischen Ereignissen.

Weiterhin konnten die Forscher zeigen, das diese wachstumshemmenden Wirkungen von Stress durch die stressverursachte Substanz P in nicht-gestreßten Mäusen reproduziert werden konnten. Auch konnte mit einem  Antagonisten (Gegenspieler) der Substanz P Haarausfall in gestreßten Mäusen unterbunden werden. Dies bietet die erste überzeugende logische Grundlage dafür, wie stressbedingter Haarausfall pharmakologisch behandelt werden kann.

Arck PC; Handjiski B; Peters EM; Peter AS; Hagen E; Fischer A; Klapp BF; Paus R: Stress inhibits hair growth in mice by induction of premature catagen development and deleterious perifollicular inflammatory events via neuropeptide substance P-dependent pathways. In: American journal of pathology; VOL: 162 (3); p. 803-14 (2003)

Wie können an dieser Stelle leider nicht umfassender auf die Lösung des Problems Stress eingehen. Mehr Informationen zum Stress und zum Stressabbau finden Sie unter Stressbewältigung Stressbewältigung

1. Soziale Phobie

Zwischen der psychischen Belastung durch den Haarausfall und dem Wohlbefinden besteht zudem eine enge Wechselwirkung. Letztlich kann Haarausfall zu der Erscheinung einer sozialen Phobie führen. Soziale Phobie ist die unangemessen starke Angst vor anderen Menschen, die dazu führt, dass Betroffene die Gesellschaft anderer meidet. Unter einer sozialen Phobie versteht man die Furcht vor der Bewertung, Ablehnung oder Demütigung durch andere Menschen. Die soziale Angst tritt, wie der Begriff schon sagt, in sozialen Situationen, also in Gegenwart anderer Menschen auf. Sie tritt häufig auf beim gemeinsamen Essen, beim Sprechen in der Öffentlichkeit, bei Konferenzen, Vorträgen und Festen, beim Schreiben in der Öffentlichkeit, bei Prüfungen. Die soziale Angst kann sich in Gedanken, Gefühlen, körperlichen Reaktionen und dem Verhalten äußern. Umfassende Information zu diesem Thema finden Sie im Link Soziale Phobie