Interview zum Thema Haarausfall bei Frauen

Interview im "Journal of women´s health" geleitet durch JODI GODFREY MEISLER mit 2 amerikanischen Expertinnen zum Thema Haarausfall bei Frauen:

 

  • Vera Price, M.D., Professor für Dermatologie und Chef der Haar und Nagelklinik an der Universität von Kalifornien im San Francisco, wird als eine führende Autorität in Bezug auf Haarausfall angesehen.
  • Claire Haycox, M.D., ist Assistant Professor für Dermatologie an der Universität von Washington in Seattle, und hat sich auf weiblichen Haarschwund spezialisiert.

1. Frage: Wann wird Haarschwund bei einer Frau als abnormal angesehen?

Antwort: Der Beginn des Haarverlustes kann bei Teenagern in den 20ern vorkommen, wenn sie die genetische Neigung haben, oder sie erleben übermäßig oder ungewöhnlichen plötzlichen Haarverlust. Es ist üblich für erblich bedingten Haarschwund, daß er unbemerkt für eine Dekade oder mehr voranschreiten kann, während plötzlicher Haarausfall mehr ausgeprägt ist und daher schneller entdeckt wird. In jedem Fall ist es wahrscheinlich unbedeutend für den praktischen Arzt, aber typischerweise bringt es genug Beklemmung so das eine Frau es beim Arztbesuch nennen wird. Der Patient kann als bestes die Parameter für einen Wechsel im Haarzustand feststellen. An sich sollte der Zustand untersucht werden, hauptsächlich, weil je früher Haarschwund diagnostiziert wird, desto früher kann das Voranschreiten verhindert werden.

2. Frage: Was sind die Gründe für Haarverdünnung in Frauen?

Antwort: Altersbedingte Haarverdünnung ist Teil des Alterungsprozesses aber variiert in Angriff und Intensität zwischen Individuen. Weil seine Ursache follikulare Ausfälle sind, ist eine medizinische Intervention wahrscheinlich nicht erfolgreich. Menopause an sich ist keine Ursache von Haarschwund. Tatsächlich kann sich Haarschwund ereignen lange bevor eine Frau ein Senior wird, oder die Menopause beginnt. Einer totalen Hystererektomie folgt vielleicht eine ausgeprägte weitschweifige Verdünnung. Ergänzende Hormone mit androgenen Effekten können Verdünnung verursachen, aber ergänzendes Estrogen ist nicht immer ausreichend um die Haarfollikel abzuschirmen.

Wie auch immer, die beiden verbreitesten Ursachen von Haarschwund bei Frauen sind androgenetisch Alopezie und telogenes Effluvium.

Androgenetische Alopezie ist erbliche (polygenetische) Haarverdünnung durch Androgene in genetisch anfälligen Frauen, welche eine schrittweise, diffuse Verdünnung ergibt. Telogenes Effluvium ereignet sich innerhalb von einem bis drei Monaten nach bedeutender Belastung wie verlängertes Fieber, starke Infektionen, oder größere Operationen; wegen Schilddrüsen-Krankheit, Eisen - Mangelanämie, oder unangemessene Diätvorschriften; oder vom Nehmen bestimmter verschreibungspflichtiger Arzneimittel, so wie Antikoagulantien, NSAIDS (nichtsteroidale Antirheumatika), Antidepressiva, Blutdruck-Arzneimittel, Antibiotika, medizinische Behandlung gegen Arthritis, Gicht-Behandlung, und einige Cholesterin - senkende Mittel. Eine andere weniger offensichtlich, aber häufige Ursachen von Haarverdünnung kommt von der Verwendung von einigen empfängnisverhütenden Mitteln (Pillen).

3. Frage: Wie differenziert der Arzt zwischen einer androgenetischen Alopezie und telogenem Effluvium?

Antwort: Die Verdünnung in androgenetischer Alopezie wird hauptsächlich auf der frontale - parietalen Kopfhaut gefunden, mit erhöhten Lücken zwischen den Haaren. Telogenes Effluvium andererseits ist gekennzeichnet durch eine plötzliche Zunahme im täglichen Haarausfall, mit oder ohne erkennbare Verdünnung. Der Ausfall dauert typischerweise 1-6 Monate, beeinflußt die ganze Krone, und ist umkehrbar.

Es ist wichtig den Begriff "weibliche Form der Kahlheit" (female pattern baldness) zu vermeiden, weil es eine Verbindung zum Totalverlust von Haar bringt, welche außer in seltenen Fällen nicht der Fall bei Frauen ist.

4. Frage: Kann inkorrekte Haarbehandlung Haarschwund in Frauen verursachen?

Antwort: Haarbehandlungen wie Bleichen, Dauerwellen, oder Färben verursachen nicht Haarverdünnung. Verlängerte oder inkorrekte Anwendung kann umkehrbare Schäden oder Bruchstellen verursachen. Wie auch immer, diese Haar-Styling-Techniken können oft sehr brauchbar sein, eine verdünnende Kopfhaut angemessen zu überdecken helfen, weil sie die Fülle maximieren können.

5. Frage: Was bildet der ersten Schritt in der Diagnose vom Haarschwund in Frauen?

Antwort: Zur Diagnose von androgenetischer Alopezie, dient die Suche nach distalen Enden die spärlich werden, besonders bei Frauen mit langem Haar. Es gibt eine normale M - Form oder gerade frontale Haarlinie, aber große Schwankungen im Durchmesser und Länge von Haarschäften, mit vielen dünnen, feinen Haaren die aus miniaturisierten Follikeln wachsen. Die Pathophysiologie von androgenetischer Alopezie ist eine Anhebung in 5-alpha-Reduzierung von Testosteron zu Dihydrotestosteron in genetisch gekennzeichneten Follikeln. Die Miniaturisierung von Follikel ereignet sich aufgrund einer Kombination von Grundsubstanz-Verminderung und Abkürzung der Anagen-Phase.

Eine Reißtest wird für telogenes Effluvium positiv und negativ für androgenetisch Alopezie sein. Die hilfreichsten Labortests sind CBC, TSH, Serumeisen und TIBC, und RPR um die Möglichkeit von telogenem Effluvium festzustellen. Anfänglich ist eine umfassende Auswertung von Hormonstoffen oder eine Haarhautbiopsie (entnahme) nicht nötig. Statt dessen sollten Perioden-Unregelmäßigkeiten, Unfruchtbarkeit, Haarwuchs an anderen Körperstellen, starke Akne, Milchfluß, und Vermännlichung geprüft werden. Wenn eine oder mehr von diesen Bedingungen anwesend sind sollten Plasmastestosteron, DHEA, und Prolactin-Spiegel kontrolliert werden. Wenn die Hormonwerte deutlich abnormal sind sollte sich die Patientin an einen Frauenarzt oder Endokrinologen wenden zur Abklärung einer androgenetischen Alopezie.

6. Frage: Wie kann ein Arzt androgenetische Alopezie diagnostizieren?

Antwort: Eine gute Krankengeschichte kann die folgenden Fragen als eine gute Basis für das Auswerten der Gründe vom Haarschwund beinhalten:

• Wie lange gibt es Haarverlust?

• Wann hat er begonnen?

• Fällt das Haar aus den Wurzeln, oder bricht es ab?

• Ist da irgendwelche Familiengeschichte (Eltern, Großeltern, Geschwister, Tanten / Onkel )?

• Ausschließen bedeutender hormonaler Abweichungen, oder ein Überschuß von männlichen Hormonen durch Prüfen "männlichen" Hormone:

* Regelmäßig Periode;

* Nicht übermäßiges Haarwachstum;

* Nicht Ausfluß von den Brustwarzen;

* Nicht starke Akne;

* Birnen - geformter Körper: Fettleibigkeit im Beinbereich ist typischer bei Männern;

* irgendwelchen Schwangerschaften? Kürzlich?

• Frage nach irgendwelcher medizinischer Behandlung, sowohl verschreibungspflichtig wie auch Selbstmedikation, einschließlich Vitamine und andere Nahrungsergänzungen. Megadosen von Vitamin A können Haarschwund auslösen, so wie DHEA, ein Vorbote zu Testosteron, der ein populärer Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln ist und vielleicht unter einem Namen verkauft wird, der nicht unverzüglich erkennbar ist. Der Patient sollte die Packungskennzeichen für die Liste von Zutaten prüfen. Eine Frau mit Haarverdünnung sollte die Verwendung von beiderlei DHEA, oder Vitamin A in Dosen über der täglichen Bedarfsmenge abbrechen.

• Physische Prüfung und mit einer Bewertung der Kopfhaut.

7. Frage: Was sollte eine Arzt tun, wenn eine Diagnose anddrogenetischer Alopezie unklar ist?

Antwort: Es ist möglich das zwei Bedingungen Haarverdünnung verursachen. Telogenes Effluvium kann helfen eine vorexistierende Bedingung so wie Lupus, oder Eisen - Mangelanämie zu entlarven wobei eine genetische Neigung zu Haarschwund für androgenetisch Alopezie verantwortlich ist. Wenn es eine Frage nach androgenetischer Alopezie gibt, kann das beste für den Patient eine Überweisung zum Hautarzt für eine Biopsie oder weitere Analysen sein.

8. Frage: Was ist die beste Behandlung bei telogenem Effluvium?

Antwort: Es sei denn der Grund vom Haarschwund beruht auf Schilddrüsen-Krankheit, ungenauer Diät, oder medizinischer Behandlung, ist eine Intervention nicht notwendig für telogenes Effluvium. Sobald die Ursache ermittelt und korrigiert ist wird der Haarausfall warscheinlich anhalten.

Zitiert aus: Journal of women´s health Vol 7 N. 3 (1998), 307-310.